Mi. Sep 28th, 2022

Da ist er endlich, der erste Sieg in der zweiten Liga seit Ewigkeiten! Der BSV holt sich die ersten Punkte der Saison im Abstiegskracher gegen die Baltic Storms. Mit 6:4 setzt sich die erste Mannschaft im hohen Norden durch und entscheidet das Sechs-Punkte-Spiel für sich.

In der Hinrunde ging es alles andere als zufriedenstellend zur Sache. Knappe Niederlagen, jeweils mit einem Tor gegen Dümpten, Hannover und Gettorf brachten immer das Gefühl: Da war mehr drin, viel gefehlt hat nicht. In Lilienthal und zuhause gegen Bremen gab es dann noch zwei deutliche Klatschen. Der Abschluss der Hinrunde stieg am Sonntag in Kiel. Die Storms hatten nach einem Sieg gegen Bremen drei Punkte auf dem Konto und sind damit der direkte Kontrahent auf dem vorletzten Platz.

Fotos: Thomas Dethlefsen – Baltic Storms

Die Bedeutung dieses Duells wurde direkt in Minute eins deutlich. Vom ersten Bully weg gab es ein unglaublich hektisches Spiel beider Teams. Geordneter, ruhiger Spielaufbau? Überbewertet. Stattdessen standen Konter und schnelle Abschlüsse auf dem Plan. Direkt im Anschluss an ein schwaches Powerplay der Kleeblätter konnte Philipp Behne einen hohen Ball von Till Möllmann in der Mitte behaupten. Mit einer kleinen Ballberührung legte er den Ball am Gegenspieler vorbei und brachte den Schlenzer in der langen Ecke unter. Der quirlige Angreifer, der zuvor schon losgelegt hatte wie die Feuerwehr und mehrmals gefährlich zum Abschluss gekommen ist, belohnt den guten Start mit seinem platzierten Schuss. Die 2:0-Führung fiel zwei Minuten später durch Elias Rensing nach einem Abschluss aus der Mitte. Der Handgelenksschuss landete punktgenau im linken Winkel. Im Twitch-Stream der Storms war das Replay des Treffers kaum zu Ende, als es schon wieder im Kasten der Kieler klingelte: Wieder war es die Kombination Möllmann-Behne, die den Doppelschlag perfekt machte. Nach dem Bully kommt der Center in Ballbesitz und legt ab zu Behne, der mit dem Abschluss in die lange Ecke noch am Goalie scheitert, dann aber den Abpraller aus der Luft in die Maschen drückt. Drei Tore in knapp fünf Minuten sorgten für den optimalen Start. Auch weil Uvis Eglitis im Tor des BSV früh heiß gelaufen ist und die guten Torchancen der Gastgeber entschärfte – ein riesiger Faktor in diesem Match. Mit dem 3:0 ging es in die erste Unterbrechung.

Überragende Leistung: Philipp Behne (#6) und Janek Rottmann (#20)

Der zweite Durchgang startete mit dem nächsten Doppelschlag: Endlich nutzte Roxel mal ein Überzahlspiel aus – bisher konnte sich die Gäste in Überzahl absolut nicht mit Ruhm bekleckern. Ein missglückter Schuss von Rensing landete über den Umweg der Bande hinter dem Tor bei André Kiethe, der am kurzen Pfosten einschieben konnte. Knappe zwölf Sekunden später war es dann Janek Rottmann, der sich an der Bande durchkämpfen konnte und zu Möllmann ablegte. Dessen direkter Pass in die Mitte kommt zurück zum heraneilenden Rottmann, der den Lochball ansatzlos unter die Latte knallt. Ein super Abschluss des dynamischen Verteidigers, der damit seinen ersten Treffer in der zweiten Bundesliga markiert und ein Wahnsinns-Spiel gezeigt hat.

Beim Stand von 5:0 sollte dann aber auch der erste Treffer Baltic Storms fallen. In Unterzahl wurde Eglitis das erste Mal überwunden. Auch bei diesem Schuss in die lange Ecke war der überragende Lette noch dran. Nach knappen zehn Minuten nahmen die Gastgeber dann die nächste Einladung der Münsteraner an und konnten auf 2:5 verkürzen. Besonders bitter: Das Tor fällt in Überzahl für Roxel. Im fünf gegen vier agierte das Überzahlspiel des Öfteren anfällig. Wieder ging es daher mit der 3-Tore-Führung und dem Stand von 5:2 in die Kabine.

Machten hinten alles dich: Lando Lebok (#12) und Uvis Eglitis (#31)

Das härteste Drittel würde aber noch kommen. Den besseren Start erwischte dennoch erneut der BSV: Zuerst sah es nach einer hervorragenden Konterchance der Kieler aus, als Lukas Welling irgendwie seine Kelle an den Ball bekommt und André Kiethe in der Mitte den Ball sichern kann. Weil drei Kieler überspielt sind, schaut sich der Routinier den Passweg aus und findet den einschussbereiten Timo Meinhold auf der rechten Seite. Der Stürmer lässt sich in seiner Paradedisziplin nicht zweimal bitten und brachte das Netz per Direktschuss zum Zappeln. Jetzt musste diese Führung nur über die Zeit gebracht werden. Die Mannschaft aus dem Norden drückte mehr und mehr und kam immer wieder gefährlich vor den Münsteraner Kasten. In Roxeler Unterzahl konnten die Gastgeber nach einem Ballverlust zuschlagen. Jetzt wurde schon recht deutlich, dass die Kräfte durch den harten Kampf und aufopferungsvollen Einsatz schwinden. Der nächste Treffer fiel fünf Minuten später, sodass noch fünf Minuten überstanden werden mussten. Und Kiel sollte sich annähern: Erst ein Latten-Kracher von der rechten Seite, bevor Uvis Eglitis kurze Zeit später noch einmal alles aus sich herausholte und einen verdeckten Schuss mit einem Reflex gerade so über die Latte kratzte. Eine großartige Parade, mit der er seine unglaubliche Leistung krönen konnte und letztendlich den Sieg über die Zeit brachte.

Jamasi-Steuermann des Spiels: Uvis Eglitis

Damit fährt die erste Mannschaft endlich ihren langersehnten Sieg ein und legt den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde mit dem Ziel Klassenerhalt. Dieses Spiel bringt Selbstvertrauen und die Gewissheit, in dieser Liga mithalten zu können.

Stimmen zum Spiel:

Trainer Juris Krastins: «Die Leistung der Mannschaft bewerte ich als ausgezeichnete Arbeit. Wir haben alle gekämpft und wir haben an diesen Sieg von der ersten bis zur letzten Sekunde des Spiels geglaubt. Es gab natürlich auch Momente, an denen wir die Konzentration etwas verloren haben, z.B. im 2. Drittel, und sich ein paar Fehler in der Verteidigung eingeschlichen haben. Aber in diesen gefährlichen Momenten hat uns Uvis mit seinem ausgezeichneten Spiel gerettet. Ich kenne Uvis schon seit meiner Schulzeit als Floorball-Torhüter – seit 20 Jahren, und ich nehme an, dass dieses Spiel für ihn bis jetzt das bemerkenswerteste in seiner langen Karriere war! Wir haben lange auf diesen Sieg gewartet, und jetzt kam er zum perfekten Zeitpunkt. Wir werden weiterhin hart trainieren, um technisch, physisch und mental weiterzuwachsen – individuell, sowie auch als Mannschaft.»

Der frisch gebackene Torschütze Janek Rottmann: «Das Gefühl ist natürlich großartig und sehr erleichternd. Dass wir uns endlich mal für die ganzen Mühen und den Aufwand belohnen können, fühlt sich sehr gut an. Ich finde, dieses Ergebnis spiegelt auch endlich die Weiterentwicklung des Teams wieder, was zeigt, dass der ganze Aufwand nicht umsonst gewesen ist.»

Jonathan Böhlendorf, der auf der Bank zusammen mit Trainer Juris Krastins dirigiert und maßgeblichen Anteil am Erfolg hat: «Es waren alle voll da, jeder hat alles rein gegeben, was er bzw. sie hatte. Keiner hat sich geschont und jeden Weg gemacht, der zu machen war. Das war eine geschlossene Team-Leistung, an der jeder Einzelne seine Aktien dran hat. Nach dem Abpfiff war erstmal nur Euphorie da und Freude, dass ich mal wieder dabei war und dann auch noch einen Sieg erleben konnte. Das hat natürlich den Serotonin-Spiegel auf 100% geballert!»


Doppelpacker Philipp Behne: «Für mich persönlich war es total befreiend endlich auch in der Liga zu treffen und dadurch Selbstvertrauen zu tanken. Mich hat das unheimlich motiviert und dann in Verbindung mit der Energieleistung unserer gesamten Mannschaft das Spiel zu gewinnen, war einfach fantastisch. Vor allem nach diesen vielen knappen Spielen endlich zu gewinnen, und dann noch mit zwei Treffern dem Team zu helfen, fühlte sich großartig an.»

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